Spielen gegen die Langeweile

Geschrieben von Soester Anzeiger am .

Mohamed Abdessamed Bekkari kickt seit kurzem bei SG Oestinghausen

Auf dem Rasen beim TuS SG Oestinghausen jagt seit einigen Monaten ein Spieler das runde Leder, der vor über einem halben Jahr eher noch auf staubiger Asche in Algerien hinter die Kugel getreten hat. Der 21-jährige Afrikaner Mohamed Abdessamed Bekkari kämpft unter anderem bei den Schwarz-Gelben gegen die Langeweile an, die ein Asylsuchender, der (noch) nicht arbeiten darf, hat.

Aber mit dem Fußballspielen hat er keineswegs im Lippetal angefangen. Schon vor sieben Jahren fing er mit dem Kicken in seiner damaligen Heimat an – er stammt aus Sidi bel Abbes im Norden Algeriens, nahe der Mittelmeer-Küste. Dort begann er mit der Jagd auf das runde Leder, war zudem als Judoka sportlich sehr aktiv. Zwei Jahre lang hat er auch in Algerien „Management“ studiert, aber noch nicht zu Ende gebracht. Zu gern aber will er das noch nachholen, seinen Abschluss machen, damit in Deutschland leben, wo er politisches Asyl beantragt hat. Denn sein weiteres Leben möchte er gerne in der Bundesrepublik verbringen.

„Mir gefällt es sehr gut hier“, hatte der immer fröhliche Mohamed Abdessamed Bekkari keine Eingewöhnungsprobleme – im Moment wohnt er mit seinem Vater und seinem Bruder in Herzfeld, kommt mit dem Bus zum Training oder wird von Mitspieler Jonas Nillies chauffiert. Zuvor haben sie in Oestinghausen in der Unterkuft gewohnt. Ungewohntes Essen und das Klima im Vergleich zum warmen Algerien: Alles kein Problem für den 21-Jährigen: „Ich freue mich, dass ich hier bin. Alle Leute hier sind nett.“

Nicht nur der Fußball treibt Mohamed Abdessamed Bekkari hier um, er will sich auch ansonsten gut integrieren. So lernt er am Hanse-Kolleg in Lippstadt eifrig deutsch – die Verständigung mit seinen Mitspielern ist kein Problem, wie auch Raschid Khan, Spielertrainer der zweiten Mannschaft von SG Oestinghausen, versichert. „Mohamed ist toll von den Jungs aufgenommen worden. Er ist freundlich, immer gut drauf, lacht viel.“ Der Youngster bemühe sich sehr und gebe alles im Training. „Er versteht uns und spricht schon gut deutsch“, gebe es auch keinerlei Verständigungsprobleme. Er ist ein toller Junge“, ist der Trainer voll des Lobes über den exotischen Neuzugang.

Die Verbindung zwischen Flüchtlingen und Sportvereinen in Lippetal – auch in anderen Clubs sind Asylsuchende am Ball – hat die Oestinghauserin Margret Dreisbach hergestellt, die sich intensiv um Flüchtlinge kümmert. „Ich bin einfach zu den Flüchtlingsheimen hingegangen. Es sind viele junge Männer gekommen und wir hatten immer sehr großes Entgegenkommen von den Vereinen“, lobt sie das Engagement nicht nur der Fußballer. Allerdings stellt sie auch fest: „Die Kapazitäten sind ausgereizt.“ Wie die Spieler der zweiten Mannschaft von SG Oestinghausen ist sie begeistert vom Verhalten von Mohamed Abdessamed Bekkari. „Er ist sehr gewissenhaft und ehrgeizig, hält daher durch. Mohamed ist sehr gelehrig und will seine Chance auf Bildung unbedingt nutzen“, so die Oestinghauserin; gleiches gelte für seinen jüngeren Bruder. � ru

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